Zwei Pyromanen halten Polizei in Atem

Brandserien in Bad Kreuznach und Windesheim / Kripo geht von sexuellen Motiven aus

Vom 13.01.2006

Zwei Brandserien in Kreuznach und in Windesheim halten die Kripo seit vergangenen Sommer auf Trab. Die Ermittler um Kriminalhauptkommissar Bernd Gräff gehen davon aus, dass zwei Täter am Werk sind, die eines gemeinsam haben: Sie nehmen in Kauf, dass Menschen verletzt werden.  
Von

Robert Neuber

Der Bad Kreuznacher Brandstifter fing mit dem Außenlager des Weinguts Anheuser an, dann setzte er das alte Pumpenhaus am Ende der Roseninsel in Brand. Kaum hatte sich der Rauch an dieser Stelle verzogen, war der Brandstifter wieder zur Stelle und zündete die Reste des historischen Bauwerks erneut an.

Die Serie setzte sich mit dem Brand der Saunaanlage am Hotel Quellenhof fort, es folgte ein Kellerbrand am Holzmarkt. Spätestens bei der Brandstiftung in der Magister-Faust-Gasse, wo der Feuerteufel zur Abfuhr herausgestellten Abfall in Brand setzte, nahm er in Kauf, dass Menschen zu Schaden kommen könnten. Denn das Feuer versperrte den Bewohnern des Hauses den Fluchtweg ins Freie, und sie mussten sich auf das Dach retten.

In dieser Woche brannte nun eine Mülltonne in der Stromberger Straße an einem nicht bewohnten Haus. Auch hier wurde ein Großbrand in Kauf genommen - der alte Baum im Garten stand schon lichterloh in Flammen, und das Feuer drohte auf das Haus überzuspringen. Bei der Suche nach dem Täter stecken die Beamten in den Ermittlungsarbeiten. Für sie steht jedoch fest, dass die beschriebenen Brände von ein und demselben Täter gelegt worden sind.

Während es auf den Kreuznacher Serienbrandstifter keine Hinweise von Zeugen gibt, hat den Windesheimer Feuerteufel wenigstens eine Zeugin gesehen. Demnach geht die Polizei davon aus, dass es sich um einen 20- bis 40-jährigen Mann handelt. Er wurde gesehen, als er in der Nacht vom 7. auf den 8. Dezember seine bislang gefährlichste Tat beging. In einer Halle der Windesheimer Holzhandlung hatte er einen abgestellten Hänger angezündet. Ein Großbrand, der leicht auf das benachbarte Farbenlager hätte übergreifen können, wurde nur durch das schnelle Eintreffen der Feuerwehr verhindert.

An diesem Abend sah eine Zeugin einen Mann im beschriebenen Alter über die Straße laufen. Er soll mit einem Kapuzenpulli bekleidet gewesen sein, die Kapuze hatte er tief ins Gesicht gezogen. Bevor er in der Holzhandlung sein Unwesen trieb, hatte der Täter in derselben Nacht gegen 22 Uhr in Windesheim einen VW- Bus angezündet, danach marschierte er seelenruhig in die Holzhandlung, um anschließend Richtung Schweppenhausen zu spazieren und einen Reitstall anzuzünden - ohne Rücksicht auf die eingestellten Tiere. Die drei Brandstiftungen erfolgten in Abständen von etwa 20 Minuten - und verdarben der Polizei damit die Weihnachtsfeier, die am selben Abend stattfand.

Begonnen hatte der Windesheimer Brandstifter seine Serie, indem er einen umgebauten Bauwagen zwischen Schweppenhausen und Windesheim ansteckte. Dann machte er sich im Ortskern Windesheims an einem abgestellten, abgemeldeten Fahrzeug zu schaffen und setzte es in Brand. Die Flammen griffen auf den Carport über, dann auf das angrenzende Wohnhaus. Dabei entstand ein Sachschaden in Höhe von 300000 Euro.

Als Motivation der Brandstifter vermutet Kommissar Bernd Gräff sexuelle Motive, wie sie bei solchen Pyromanen meist vorzufinden sind und die Konsequenz einer in welcher Weise auch immer gearteten sexuellen Frustration sind.

Allgemeine Zeitung - Online vom 13.01.2006

zurück